Zusammenfassung
Andreas Püwert: Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius) und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous) in Mittelsachsen
Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius) und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (P. nausithous) weisen in Sachsen einen deutlich negativen Bestandstrend auf. Im vorliegenden Beitrag wird ein Überblick der Bestandsentwicklung im Freistaat Sachsen gegeben. In Mittelsachsen werden einige Vorkommen beider Wiesenknopf-Ameisenbläulinge von der NABU-Regionalgruppe Freiberg betreut. Die Entwicklung dieser Populationen, Populationsökologie, Pflegemanagement, Artenschutzmaßnahmen und Historie der Habitate werden im Einzelnen beschrieben. Es wird ein Überblick zu den Vorkommen des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) in Mittelsachsen, den Wirtsameisen von Phengaris teleius und P. nausithous und zum Einfluss von Wetter, Klima und Klimawandel auf die Ameisenbläulinge gegeben. Erfolge und Probleme im Schutz der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge werden diskutiert.
2016 siedelte sich Phengaris teleius bei Langenau (Stadt Brand-Erbisdorf, Landkreis Mittelsachsen) an, 2018 gründete sich dort eine zweite Teilpopulation. Eine Neuansiedlung von P. nausithous erfolgte 2018 bei Langenau. 2019 bildete sich dort eine weitere Teilpopulation, 2020 entwickelte sich eine weitere in Freiberg. Einige Vorkommen weisen ein langsam ansteigendes Populationswachstum auf. Die für beide Arten typischen Schwankungen wurden festgestellt. Ein 2006 entdecktes Vorkommen von P. teleius in Mittelsaida wies nach anfänglichem Wachstum einen rapiden Bestandseinbruch auf. Dieser konnte durch angepasste Wiesenpflege aufgehalten und in einen deutlich positiven Trend umgekehrt werden. Dadurch unterscheiden sich die Populationen in Mittelsachsen deutlich von der Mehrzahl der anderen Vorkommen in Sachsen. Gründe hierfür liegen im Engagement einzelner Mitglieder des NABU Freiberg. Durch ein Monitoring werden die Teilpopulationen überwacht. Mittels angepasster Pflegemahd mit Motorsense und Balkenmäher konnten die Habitateigenschaften für die Raupennahrungspflanze und die Wirtsameisen optimiert werden. Pflanzen von Sanguisorba officinalis werden in Ex-situ-Kultur vermehrt und auf den Teilflächen zur Bestandsstützung ausgebracht. Durch die Pflegemaßnahmen pflanzt sich der Große Wiesenknopf wieder generativ auf den Flächen fort. Bei Untersuchungen zu den Nektarsaugpflanzen wurden für P. teleius 21 genutzte Pflanzenarten und für P. nausithous 8 Pflanzenarten ermittelt.
In den Populationen in Langenau und Mittelsaida wurde von 2022 bis 2024 das Schlafverhalten von Phengaris teleius untersucht. Als Schlafstätten konnten 21 Pflanzenarten ermittelt werden. Bedeutsam für die Attraktivität der Schlafplätze ist das deutliche Überragen der Blüten- und Fruchtstände über die mittlere geschlossene Vegetation. Als Schlafplätze wurden sowohl ein- und zweijährige Kurzzeitbrachen als auch Frühmahdflächen genutzt. Ein vorzeitiger Flugbeginn mit einem zeitigen Höhepunkt wurde 2024 für P. teleius beobachtet. Durch eine Frühjahrsmahd bis spätestens Ende Mai stehen auch für solche Extreme ausreichend Blüten von Sanguisorba officinalis zur Verfügung.


