NSI FreibergServiceMitteilungen des Naturschutzinstitutes FreibergHeft 6/7 2011
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Mitteilungen des Naturschutzinstitutes Freiberg

Heft 6/7 2011

106 Seiten

ISSN 1860-8396

Bezugsmöglichkeit über den Herausgeber, Schutzgebühr 5,00 Euro (zzgl. Versand)


Herausgeber:

AG Naturschutzinstitut Freiberg e. V.
Bernhard-Kellermann-Straße 20
09599 Freiberg

nsi-freiberg_at_naturschutzinstitut.de

Zusammenfassungen der Beiträge

Henriette John, Stefanie Claus, Oliver Wiche, Christian Winkler, Roland Achtziger, Elke Richert und André Günther: Naturschutzfachliche Erfolgskontrolle einer Maßnahme zur Förderung der Lebensgemeinschaften auf trockengefallenen Teichböden im Bierwiesenteich bei Pfaffroda

In vielen Gewässern der Revierwasserlaufanstalt Freiberg entwickelt sich nach Trockenfallen des Teichbodens, z. B. in Folge einer bewirtschaftungsbedingten Wasserstandsabsenkung, eine europaweit bedeutsame Teichbodenvegetation. Im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekts „GehVege“ wurde im Jahr 2008 der Wasserstand des Bierwiesenteichs bei Pfaffroda (Erzgebirgskreis, Sachsen) abgesenkt, um die Entwicklung einer entsprechenden Vegetation auf dem Bodensubstrat dieses bis dahin nur selten abgelassenen Gewässers zu initiieren. Als Grundlage für die naturschutzfachliche Bewertung und Erfolgskontrolle dieser Maßnahme wurden Untersuchungen zur Entwicklung der Vegetation, der Diasporenbank und der epigäischen Teichbodenfauna durchgeführt.

Die Ergebnisse einer Vegetationskartierung zeigten, dass sich bereits innerhalb weniger Wochen auf den trockengefallenen Teichböden die typischen Gesellschaften großflächig entwickeln konnten. Dabei bildeten Limosella aquatica (Schlammling) und Littorella uniflora (Strandling) bereits fünf bzw. sieben Wochen nach dem Trockenfallen des Substrates erste reife Samen aus. Als Folge der Absenkung reicherte sich die Diasporenbank mit Samen der Arten der Teichbodenvegetation an. Auch verschiedene Artengruppen epigäisch lebender Wirbelloser (z. B. Laufkäfer, Springwanzen) konnten schnell und in hoher Individuenzahl die trockengefallenen Substrate besiedeln. Die Mehrzahl der nachgewiesenen Laufkäferarten war hygrophil und ist vermutlich aus dem ehemaligen Litoral eingewandert. Daneben konnten auf trockenen Bereichen auch xerophile Arten nachgewiesen werden, die vermutlich von weiter entfernten Habitaten zugewandert waren. Für das Vorkommen der Arten auf dem Teichboden spielten der Substrattyp, die Substratfeuchte und die Vegetationsdichte eine wesentliche Rolle.

Aufgrund des guten Besiedelungserfolges und der Aufwertung der Diasporenbank kann die Wasserstandsabsenkung als Entwicklungsmaßnahme aus Naturschutzsicht als äußerst erfolgreich bewertet werden. Zur längerfristigen Sicherung der Teichbodenvegetation und um die Etablierung von epigäischen Tierarten zu ermöglichen, sollte der Wasserstand entsprechender Gewässer mindestens zweimal innerhalb von zehn Jahren abgesenkt werden, wobei die Teichbodenflächen möglichst zwischen zehn und zwölf Wochen trockenliegen sollten.

Andreas Golde, Marko Olias und Henriette John: Der Rothbächer Teich bei Brand-Erbisdorf – ein neuer Fundort des Scheidenblütgrases (Coleanthus subtilis)

Das Vorkommen des Scheidenblütgrases (Coleanthus subtilis) im Rothbächer Teich bei Brand-Erbisdorf (Osterzgebirge, Sachsen) wurde bislang lediglich vermutet. Im Jahr 2010 ergab sich nach dem Ablassen des Teiches erstmals seit Jahrzehnten die Möglichkeit zum Nachweis der Art. Mit dem vorliegenden Artikel werden die Fundumstände sowie die begleitende Teichbodenvegetation dokumentiert.

Marko Olias: Verwilderte und häufig angebaute Frühjahrs-Krokusse (Crocus) im Freiberger Gebiet

Im Freiberger Gebiet wurden bislang acht Arten bzw. Hybriden der Gattung Crocus nachgewiesen. Untersucht wurden u. a. 44 Friedhöfe. Hier waren mit hoher Stetigkeit Crocus vernus (100 %), C. tommasinianus (82 %) und C. ×stellaris (59 %) zu finden. Wesentlich seltener (unter 15 %) traten C. chrysanthus, C. albiflorus, die Hybride 'Cream Beauty', C. sieberi s. l. und C. ancyrensis auf. Crocus vernus und C. tommasinianus besiedeln spontan auch siedlungsferne Biotope und können im Freiberger Gebiet als eingebürgert gelten.

Marko Olias: Ein eingebürgertes Vorkommen des Kleinblütigen Fingerkrautes (Potentilla micrantha) in Mittelsachsen

Ein lokal eingebürgertes Vorkommen von Potentilla micrantha wurde im April 2010 an einer mit Kalkmörtel verputzten Friedhofsmauer in Oberschaar im Landkreis Mittelsachsen entdeckt. Die Pflanzen wachsen in Mauerfugen und entlang des Mauerfußes. Auch entlang der beschatteten Außenmauer des Friedhofs konnte sich ein 25 m langer Bestand ausbilden.

Andreas Golde und Marko Olias: Floristische Neufunde und Fundortbestätigungen im Freiberger Gebiet (6. Beitrag)

Die sechste Zusammenstellung von Neufunden und Fundortbestätigungen ausgewählter Gefäßpflanzenarten des Freiberger Gebietes orientiert sich an den vorhergehenden Berichten der Jahre 2005 bis 2009. Den Schwerpunkt bilden neue Nachweise zum Vorkommen gefährdeter oder sich in letzter Zeit ausbreitender Arten, aber auch bislang offensichtlich übersehener Sippen unterschiedlichen taxonomischen Ranges.

Fanny Kapischke: Zur Gastropodenfauna von Halden in der Bergbaufolgelandschaft um Freiberg

In diesem Beitrag werden Ergebnisse einer Untersuchung zum Vorkommen und zur Häufigkeit von Landschnecken auf Halden der Bergbaufolgelandschaft des Freiberger Reviers vorgestellt. Es wurden im Jahr 2009 insgesamt 20 Bergbauhalden bei Tuttendorf, bei Zug und bei Himmelsfürst auf ihre Gastropodenfauna untersucht. Die Felderfassungen der Schneckenarten sowie ausgewählter Umweltparameter erfolgten im Zeitraum von Juli bis Oktober 2009. Während der Untersuchungen wurden insgesamt 26 Gastropodenarten festgestellt sowie 1 723 Individuen registriert. Die am häufigsten auf den Halden vorkommenden Arten waren Cepaea nemoralis, Discus rotundatus, Vitrina pellucida und Arion lusitanicus. Unter den 26 festgestellten Gastropodenarten befand sich mit Lehmannia marginata eine in Sachsen gefährdete Art (Rote-Liste-Status 3, gefährdet).

Maik Palmer: Aktuelles zum Vorkommen des Argus-Bläulings Plebeius argus (L., 1758) in der Freiberger Region

Es werden die Beobachtungen von Plebeius argus aus der Freiberger Region (Landkreis Mittelsachsen, Sachsen) der Jahre 2008 bis 2010 im Überblick dargestellt. Ausführlich wird auf die Nachweise von 2010 eingegangen. Des Weiteren werden die Ergebnisse eines Fang-Wiederfang-Versuches vorgestellt.

Ralf Küttner und Georg Wünschmann: Ein Beitrag zur Kenntnis der Limnofauna der Bobritzsch im Osterzgebirge

Es wird erstmals ein Überblick über die in und an der Bobritzsch und vier ihrer Nebenbäche vorkommenden Arten aus den Tiergruppen Schwämme (Porifera), Planarien (Turbellaria), Weichtiere (Mollusca), Krebstiere (Crustacea), Eintagsfliegen (Ephemeroptera), Libellen (Odonata), Steinfliegen (Plecoptera), Großflügler (Megaloptera), Netzflügler (Neuroptera), Köcherfliegen (Trichoptera), Rundmäuler (Cyclostomata) und Fische (Pisces) gegeben. Das Untersuchungsgebiet und die zehn Probestellen werden kurz beschrieben und Informationen zur Gewässergüte und Gewässerchemie mitgeteilt. Anhand einiger der über 150 nachgewiesenen Arten wird belegt, dass die Bobritzsch ein ökologisch wertvolles Fließgewässer von überregionaler Bedeutung ist.


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