NSI FreibergServiceMitteilungen des Naturschutzinstitutes FreibergHeft 8 / 2015
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Mitteilungen des Naturschutzinstitutes Freiberg

Heft 8 / 2015

88 Seiten

ISSN 1860-8396

Bezugsmöglichkeit über den Herausgeber, Schutzgebühr 5,00 Euro (zzgl. Versand)


Herausgeber:

AG Naturschutzinstitut Freiberg e. V.
Bernhard-Kellermann-Straße 20
09599 Freiberg

nsi-freiberg_at_naturschutzinstitut.de

Zusammenfassungen der Beiträge

Christina Beyer, Caroline Schulze, Roland Achtziger und Elke Richert: Untersuchungen zur Gefährdung der Zwergstrauchheiden auf der Rauchblöße bei Muldenhütten anhand der Vegetation und der Zikaden

Die sogenannte Rauchblöße bei Muldenhütten östlich von Freiberg (Sachsen) ist durch die jahrhundertelange Deposition von Rauchgasen und Hüttenstäuben entstanden. Auf dieser mit Arsen und Schwermetallen kontaminierten Fläche hat sich im Laufe der Zeit eine naturschutzfachlich bedeutsame Vegetation entwickelt, die durch ein Mosaik aus Beständen von Calluna vulgaris (Besenheide) und Molinia caerulea (Pfeifengras) geprägt ist. Im Mittelpunkt der Untersuchungen dieser Arbeit standen insbesondere die aus naturschutzfachlicher Sicht besonders bedeutsamen Zwergstrauchheiden. Dabei hatten die vegetationskundlichen Untersuchungen auf der Rauchblöße zum Ziel, anhand von Vegetationsaufnahmen in verschiedenen Vegetationstypen und entlang eines Transekts den Ist-Zustand der Vegetation zu dokumentieren und zu analysieren. Außerdem sollte die Gefährdung von Calluna vulgaris aufgrund von Überalterung sowie einer möglichen Verdrängung durch Molinia caerulea oder durch Gehölzaufwuchs abgeschätzt werden. Dazu wurden im Jahr 2014 Vegetationsaufnahmen nach Braun-Blanquet und Untersuchungen zur Vitalität bzw. zur Altersphase von Calluna vulgaris durchgeführt. Als Indikatoren für die Biodiversität und als Vertreter für die an die dominierenden Pflanzenarten gebundenen Insekten wurde die Tiergruppe der Zikaden (Hemiptera: Auchenorrhyncha) auf ausgewählten Flächen und entlang des Transekts erfasst und Beziehungen zwischen der Vegetation und den Zikadenarten analysiert.

Auf den 47 in ausgewählten Vegetationstypen angelegten Aufnahmeflächen wurden insgesamt 42 Pflanzenarten nachgewiesen. Entsprechend der jeweils dominierenden Art konnten eine Calluna vulgaris-Gesellschaft mit vier Ausbildungen, eine Molinia caerulea-Gesellschaft, eine Deschampsia flexuosa-Gesellschaft und eine Calamagrostis epigejos-Gesellschaft identifiziert werden. In den drei letztgenannten Gesellschaften war Calluna vulgaris nur mit geringen Deckungswerten bzw. gar nicht vorhanden. In den anderen Gesellschaften und Ausbildungen konnte Calluna vulgaris in der Verjüngungsphase nachgewiesen werden, es kamen allerdings bereits einzelne Individuen in der Absterbephase vor. Die Verjüngung findet derzeit vor allem auf den Flächen mit hohem Lichteinfall statt, während eine Beschattung durch Gehölze zu einem Rückgang von Calluna vulgaris führt, so dass zur Erhaltung der Bestände die zeitnahe Beseitigung von Gehölzen empfohlen wird.

Auf 36 Aufnahmeflächen konnten 32 Zikadenarten in 1 869 Individuen nachgewiesen werden, darunter zwei in Deutschland gefährdete Arten und vier Arten der Vorwarnliste. In einem Transekt wurden außerdem 318 Individuen aus 7 Arten nachgewiesen. Dabei stellten die auf eine bestimmte Pflanzenart (insbesondere Calluna vulgaris, Molinia caerulea, Deschampsia flexuosa, Calamagrostis epigejos) spezialisierten Zikadenarten den Großteil der Individuen, weshalb der Rückgang der jeweiligen Nährpflanze auch zu einem Rückgang der spezialisierten und z. T. gefährdeten Zikadenarten führen kann. So korrelierte die Individuenzahl der Heidekrautzikade Ulopa reticulata signifikant positiv mit der Häufigkeit sowie mit dem Alter der Besenheide. Eine Gefahr für die Bestände der Besenheide und die an ihr lebenden Zikadenarten geht von der Beschattung durch den aufkommenden Gehölzaufwuchs aus, weshalb auch aus zoologischer Sicht ein Zurückdrängen der Verbuschung erforderlich erscheint.

Nancy Göhler: Bedeutung des aktuellen und historischen Bespannungsregimes von Gewässern im Osterzgebirge für das Vorkommen des Scheidenblütgrases Coleanthus subtilis (Tratt.) Seidl

Das Scheidenblütgras (Coleanthus subtilis) ist ein typischer Vertreter der Teichbodenvegetation, jedoch heute eine gefährdete Art, die spezielle Ansprüche an das Bespannungsregime der Gewässer stellt. In den Teichen der Revierwasserlaufanstalt Freiberg konnte sie sich aufgrund der historischen Nutzungsbedingungen bereits frühzeitig ansiedeln. Diese Vorkommen gilt es, durch ein entsprechendes Management des aktuellen Bespannungsregimes zu erhalten.

Im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanzierten Projekts „Die Bergwerksteiche der Revierwasserlaufanstalt Freiberg als Lebensraum einer einzigartigen Teichbodenvegetation – Gebietshistorie und Vegetationsökologie als Basis für nachhaltigen Naturschutz“ wurde das historische Bespannungsregime von zehn Teichen untersucht, um zu ermitteln, in welchen Zeiträumen das Durchlaufen des gesamten Lebenszyklus von Coleanthus subtilis bis hin zur Samenreife potenziell möglich war und welchen Einfluss das historische Bespannungsregime auf die heutige Bestandssituation der Art in den Gewässern hatte. Dabei spielen insbesondere der Zeitpunkt des Ablassbeginns, die Dauer und Intensität der Absenkung sowie die Häufigkeit der Wasserspiegelschwankungen eine Rolle.

Die Analyse der Pegelaufzeichnungen zeigte deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Teichen auf, deren Ursache vor allem in der Nutzung des jeweiligen Gewässers zu suchen war. Der Dittmannsdorfer Teich, der Dörnthaler Teich, der Obersaidaer Teich, der Obere und Untere Großhartmannsdorfer Teich sowie der Berthelsdorfer Hüttenteich boten dabei überwiegend gute Wachstumsbedingungen für Coleanthus subtilis. Seit den 1990er Jahren zeichnen sich in einigen dieser Gewässer jedoch Änderungen im Bespannungsregime ab, die eine vollständige Entwicklung der Art bis zur Samenreife nur noch selten ermöglichen und damit den Fortbestand der Art im Untersuchungsgebiet gefährden. Lediglich im Dittmannsdorfer Teich sowie im Unteren Großhartmannsdorfer Teich gelangen in den letzten Jahren noch regelmäßige Nachweise von Coleanthus subtilis. Es ist daher dringend erforderlich, das aktuelle Bespannungsregime auf Grundlage der ermittelten Erkenntnisse anzupassen.

Andreas Golde: Vorkommen und Vergesellschaftung von Hartmans Segge (Carex hartmanii) bei Sayda im Osterzgebirge

Carex hartmanii gehört aufgrund der Verwechslungsgefahr mit habituell ähnlichen und häufigen Seggenarten zu den vielfach übersehenen Elementen der heimischen Flora. Im vorliegenden Beitrag werden die seit dem Jahre 2010 nachgewiesenen Fundorte im westlichen Teil des Osterzgebirges (Raum Sayda) dokumentiert sowie Standortbindung und Vergesellschaftung der Art diskutiert.

Andreas Golde und Marko Olias: Floristische Neufunde und Fundortbestätigungen im Freiberger Gebiet (7. Beitrag)

Die siebente Zusammenstellung von Neufunden und Fundortbestätigungen ausgewählter Gefäßpflanzenarten des Freiberger Gebietes orientiert sich an den vorhergehenden Berichten der Jahre 2005 bis 2011. Den Schwerpunkt bilden Neu- und Wiedernachweise von Vorkommen gefährdeter Arten sowie Neunachweise von sich in letzter Zeit ausbreitenden Arten. Darüber hinaus werden Funde von bislang offensichtlich übersehenen Sippen unterschiedlichen taxonomischen Ranges dokumentiert und gleichzeitig zu deren verstärkter Beachtung angeregt.


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